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Theorie
Politische Aufsätze, offizielle Statements und Meinungen

26.09.2018 · Zum Thema Vermummung
Bürgernähe

Die AB Hamm steht für Bürgernähe.


Wir versuchen, durch unsere Aktionen und offene Arme für alle Interessierten auch diejenigen zu erreichen, die sich nicht mit Linken auskennen oder auseinandersetzen wollen.

Deshalb treten wir üblicherweise nicht nur bei linken Veranstaltungen und in entsprechenden Kreisen in Erscheinung, sondern auch da, wo der Querschnitt der Bevölkerung lebt.


Auf den ersten Blick mag es also seltsam oder gar kontraproduktiv erscheinen, auf veröffentlichten Bildern zensiert oder sogar vermummt aufzutreten.

Unterstützt das nicht das Bild der Öffentlichkeit, dass es sich bei Anarchist*innen um kriminelle Schlägertruppen oder jugendliche Krawallszenen handelt?


Auch wir würden uns wünschen, es wäre uns möglich, uns unvermummt im Internet darzustellen und der Öffentlichkeit zu zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind.

Deshalb treten wir auf öffentlichen Veranstaltungen, auf Treffen und bei Infoständen auch immer unmaskiert auf.


Leider gibt es in der aktuellen Welt viele Gefahren, die auch unkriminelle Anarchist*innen und Linke im Allgemeinen ernsthaft gefährden, wenn sie ihr Gesicht zeigen.

Wieso wir uns vermummen müssen

Wir wissen nicht, wie das politische Klima sich in der Zukunft auf Linke auswirkt.


Die neue, starke rechtspopulistische bis rechtsextreme Partei im Bundestag, deren Zahlen scheinbar immer weiter in die Höhe schnellen, zeugt von einer neuen Stimmung in der Bevölkerung, die grundsätzlich gegen Links eingestellt ist.

Sogar die CDU fordert weitgehende Überwachung und härtere Bestrafung von "Linksextremen". Dabei hat das Handeln der Polizei und im Speziellen die Polizeigewalt auf linken Veranstaltungen längst jede Schmerzgrenze überschritten. Es wird kein Verständnis für antifaschistische und antikapitalistische Arbeit gezeigt.

Wenn in Zukunft also eine neue, rechte Regierung antifaschistische oder allgemein linke Arbeit kriminalisiert, wie es bereits in den USA und Russland der Fall ist, begeben wir uns mit der Veröffentlichung unser Gesichter und vollen Namen im Internet in eine nicht zu unterschätzende Gefahr vor Repression und Gewalt.

Das Internet vergisst bekanntlich nie.


Wussten Sie das? In den USA ist seit kurzer Zeit jegliche antifaschistische Gesinnung illegal.


Mit insgesamt zwei Sets an Gesetzesänderungen und -ergänzungen haben die USA eine Kollektivstrafe für diejenigen verhängt, die Arbeit gegen Faschismus leisten.

Kein Witz, genauer wird es nicht definiert.

Wenn eine*r von uns also aus welchen Gründen auch immer in andere Länder reisen sollte, könnte es gut sein, dass man ihn oder sie am Flughafen festhält und die Aus- oder Heimreise verhindert.

Schließlich gilt man dann in den Augen der USA, und damit in den Augen von Inter- und Europol als Terrorist*in.

Das kann einen Urlaub ordentlich vermiesen, oder auch mehr.


Neonazis und andere Rechtsextreme benutzen Gesichter zur Erstellung von "Ziel-Listen" für politische Gewalt.


Mit der Verhaftung einiger NSU-Mitglieder ist die Gefahr rechten Terrors längst nicht gebannt. Rechtsextremen wird bereits jetzt eine Menge nachgesehen, was jüngste Ereignisse wie die Demonstrationen in Chemnitz und Dortmund zeigen, bei der sich die Staatsmacht auf die Seite der Rechtsextremen schlug.

Es ist nicht verwunderlich, dass es zu einer wiedererstarkten rechtsextremen Szene kam und kommt, die auch mit Gewalt gegen ihre politischen Gegner, also unter Anderem uns, vorgehen.

Die NSU-Anschläge belegen, wie rechter Terror vor nichts und niemandem zurückschreckt. Die Diffamierungsplattform für Lehrer, die die AfD jüngst ins Leben rief, beweist wieder, wie Rechte kein Problem damit haben, Individuen zu "doxxen", also deren persönliche Daten zu veröffentlichen, was unweigerlich zu Gewalt führt.

Es ist längst bekannt, dass Rechte Listen und Karteien zu bekannten politischen Gegnern führen. Mit der Veröffentlichung unser Gesichter und Daten im Zusammenhang mit politischer Arbeit begeben wir uns in große persönliche Gefahr, Opfer der nächsten NSU-Welle zu werden. Oder Schlimmeres.


Auch Arbeitgeber*innen und andere gehässige Personen nutzen das Internet gern, um Aktivist*innen zu beschnüffeln.


Wie wäre es, wenn ich zwar nicht offiziell, aber in der Praxis ein Jobangebot verliere, weil mein neuer Boss ein Problem mit meiner Politik hat.

Es ist die älteste Taktik im Buch des Kapitalisten des 21. Jahrhunderts, das Internet nach Personendaten zu durchforsten.

Wenn das uns trifft, kann es uns unsere Lebensgrundlage kosten.

Ebenfalls könnten, hypothetisch in die Zukunft gesehen, Krankenkassen und andere Institutionen wie Geldinstitute unsere Bedingungen verschlechtern, um politische Feinde gezielt zu immobilisieren.


Ich hoffe, nun ist besser nachvollziehbar, wieso wir uns leider auf Bildern im Internet vermummen oder zumindest unsere Gesichter zensieren müssen.

Abgesehen davon sieht so ein Schal doch auch recht ästhetisch aus. :D


Vermummte ABH