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19.01.2019 · Die Dörfer denen, die drin wohnen! Bezirke entwickeln, Gewerbeerweiterung verhindern!
Was ist los?

Laut des neuen "Regionalplans Ruhr" soll im Hammer Bezirk Uentrop ein neues Gewerbegebiet entstehen, das an die bereits bestehende Industriemeile anschließen soll. 50 zusätzliche Hektar dörfliches Land sollen dann gewerblich genutzt werden können. Aktuell aber findet bereits ein großer Teil des Dorflebens von Norddinker und Uentrop auf diesem Stückchen Natur statt, ganz zu schweigen von der weiteren Zerstörung der Umwelt, die solche Pläne mit sich bringen. Dabei gibt es ganz andere Probleme auf den Dörfern des Hammer Ostens.


Wir sagen: Kein Gewerbegebiet auf unserem Dorf! Hände weg vom Hammer Osten!


Sharepic zu Regionalplan Ruhr

Auf dem momentan recht naturerhaltenen Gebiet neben der A2, kurz südlich hinter dem Trianel-Komplex, soll eine Erweiterung des Uentroper Gewerbegebiets entstehen, das laut Westfälischem Anzeiger mehr als 80 Fußballfelder Fläche umfasst.

Die Betroffenen

Viele Familien leben aktuell im vom Regionalplan Ruhr betroffenen Gebiet im Bezirk Uentrop. Die dörfliche Idylle würde, wenn sie nicht schon genug vom anliegenden Trianel-Kraftwerk befleckt wäre, vollends zugrunde gehen, wenn die Industrie sich hier, mitten auf dem Dorf, quasi in direkter Nachbarschaft breitmachte.


Aber nicht nur für die Anwohner*innen wäre die Umsetzung des Plans ein Unding: Das traditionelle "Fest der Ackergiganten" der Treckerfreunde Norddinker, das sich gerade bei Familien mit Kindern bester Beliebtheit erfreut, wäre dann auch nicht mehr -- schließlich findet es auf einem der betroffenen Felder statt. Lokale, kleinbürgerliche Farmbetriebe wären ebenfalls negativ von der Entwicklung betroffen, und von der sowieso dezimierten Natur noch ganz zu schweigen.


Das ist allerdings der Plan, den der Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann so enthusiastisch bewarb.


Nicht nur die bauliche Erweiterung hätte katastrophale Auswirkungen. Ein neues Gewerbegebiet bringt auch eine Menge Verkehr und damit Industrielärm mit sich. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis eine neue Autobahnausfahrt oder Ausbauten der industriellen Infrastruktur, die mit der Mehrbelastung wenig klarkommt, der Gemeinde Unmengen an Geld kosten werden, und das, während die Straßen, die die hier Wohnenden täglich nutzen, verkommen und kaum für Fahrräder oder zu Fuß Gehende benutzbar sind.


Uentrop hat Entwicklung trotzdem bitter nötig

Dabei hat der Bezirk, besonders das Dorf Uentrop Entwicklung bitter nötig.


Der öffentliche Nahverkehr ist eine Zumutung. Nur ein Mal die Stunde fährt ein Bus ins Hauptdorf Uentrop, andere Gemeinden sind gar nicht oder nur ein Mal täglich angebunden. Abends hat es sich nach 20 Uhr dann auch schon mit dem Busverkehr, was die Freizügigkeit gerade von jungen Menschen extrem einschränkt.


Gastronomie oder Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Uentrop auch längst nicht mehr. Die ewig von der Stadt versprochenen Einkaufsläden kommen seit Jahren nicht, Gaststätten sterben aus. Das ganze Dorf Uentrop verfügt jetzt nur noch über eine Kettenbäckerei, ein Kiosk und eine Pizzeria. Von Einkaufsläden, Gaststätten, Restaurants oder gar Kneipen keine Spur, obwohl die Nachfrage durchaus da wäre.


Die Straßen brauchen Reparaturen und Geh- und Radwege. Die Jugend braucht Freiräume und Möglichkeiten, in die Stadt und von dort aus wieder nach Hause zu gelangen.


Das alles sind Projekte, die die Stadt anpacken könnte. Das alles sind bessere Anlagen für das spärliche Gemeindegeld, als weitere Industrie auf die Dörfer zu holen, die Umwelt zu verpesten und zu verschandeln und den Anwohner*innen einen praktischen Mittelfinger vor die Nase zu halten.




"Partizipation", oder: Was tun?

Zwar bot der Regionalverband Ruhr eine Plattform für Feedback zum Regionalplan an, allerdings ist uns das lange nicht genug! Wenn die Industrie davon profitieren kann, ist das Feedback der Einzelnen sowieso herzlich wenig bei der endgültigen Entscheidung ausschlaggebend.


Dass das Dorf Uentrop und die umliegenden Gemeinden wie Norddinker und Lippetal, die sowieso schon bis zur Lächerlichkeit stark industrialisiert sind, noch weiter "entwickelt" werden sollen, ist eine Frechheit. Schon jetzt machen sich viele darüber lustig, wie das jährliche hinduistische Tempelfest des Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel mitten im Uentroper Gewerbegebiet gefeiert werden muss, oder wie malerisch das Dorf Uentrop neben dem direkt benachbarten ehemaligen Atomkraftwerks THTR 300 liegt. Claas, THTR, Westfleisch, Hoffmeier, DuPont und so weiter sind bereits in Uentrop ansässig. Der Schweinemastbetrieb verbreitet seinen morbiden Gestank über das halbe Dorf hinweg, und das trotz neuer Belüftungsanlage. Hier wurde genug Industrie erschlossen!


Ob der Plan nun gekippt oder verändert wird, bleibt abzuwarten. Falls das allerdings nicht der Fall sein sollte, und wie erwartet das Gelände in ein Gewerbegebiet verwandelt werden sollte, wäre es für Anwohner*innen und mit ihnen solidarische Sympathisant*innen ein Muss, sich beispielsweise in Form einer Initiative entschieden dagegen zu wenden.


Viele der Menschen in Uentrop waren vor Jahrzehnten schon bei den Großprotesten gegen das Atomkraftwerk THTR 300 zugegen. Hoffentlich haben diese es nicht verlernt, wie man sich als Dorf zusammen gegen die Industrie wehrt und für den Schutz der Umwelt und der kleinen Dorfleute einsetzen kann!


Falls der Tag kommen wird, an dem die Bagger vor den Toren Norddinkers stehen, sollten die Menschen Hamms dagegenstehen, und dafür die Infrastruktur und Organisation schon jetzt, wie zum Beispiel mithilfe einer Bürger*inneninitiative, aufbauen. Bis zu dem Tag gilt es, abzuwarten. Eins steht aber fest -- die AB Hamm wird den Menschen in Uentrop solidarisch zur Seite stehen.


Bildquelle

Das Hintergrundbild des Sharepics weiter oben stammt vom Benutzer "giggel" auf Panoramio.


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